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Die Gefangenenbetreuung gehört zu unserer klassischen
ai-Arbeit!
Unser aktueller Fall - Der algerische
Anwalt Abdelkader Nekrouf Was in Algerien geschah Seit 1992, als die algerische Regierung sich weigerte, den Sieg der Islamischen Heilsfront (FIS) bei den Parlamentswahlen anzuerkennen, haben die bewaffneten Auseinandersetzungen in dem nordafrikanischen Land schätzungsweise 120.000 Menschen das Leben gekostet. Und mehr als 4000 sind spurlos "verschwunden", entführt von den verschiedenen oppositionellen Gruppen, - aber auch von Polizei, Militär und regierungstreuen Milizen. Einer von ihnen ist Abdelkader Nekrouf. Das Schicksal Abdelkader Nekroufs
"Ich wünsche mir so sehr, dass die Tore sich öffnen in meinem Land und dass mein Mann aus der Isolation heraustritt, in der er sich befindet - falls er noch lebt -, ebenso wie alle Verschwundenen Algeriens. (...) Unser Präsident lässt uns im Ungewissen über die Verschwundenen. Die Akte bleibt geschlossen, und niemand macht uns Hoffnung, niemand teilt uns mit, ob sie leben oder tot sind. Viele sind tot, das ist absolut sicher." Dies schrieb Zohra, die Frau des verschwundenen Rechtsanwalts Abdelkader Nekrouf, im Juli 2002, in einem Brief an die amnesty-Gruppe Friedrichsdorf. Seit Mai 2000 setzt sie sich zusammen mit einer Basler amnesty-Gruppe für den verschwun-denen algerischen Anwalt Abdelkader Nekrouf ein. Der Vater von sieben Kindern wurde am 8. Juli 1997 in Sig (Mascara) im Westen von Algerien in Anwesenheit meh-rerer Zeugen in seinem Büro von Sicherheitskräften verhaftet. Seitdem leugnen sämtliche staatlichen Stellen und Militärbehörden, etwas über seinen Verbleib zu wissen. Es gibt jedoch die Zeugenaussage eines ehemaligen Mitgefangenen, der bis Anfang 1998 im gleichen Haftzentrum wie Abdelkader Nekrouf inhaftiert war. Seinem Bericht zufolge wurde der Anwalt mehrfach schwer gefoltert und dann im Februar 1998 an einen anderen Ort verlegt. Seine Angehörigen leben seit Abdelkaders Nekroufs Entführung in absoluter Ungewissheit. Zur Zeit gibt es Gerüchte, wonach der verschwundene Anwalt am Leben ist und in einem geheimen Haftzentrum in der Nähe von Algier gefangen gehalten wird. Obwohl bisher kein einziger über mehrere Jahre Verschwundener zurückgekehrt ist, wird als möglich angenommen, dass Abdelkader Nekrouf noch am Leben ist. Sein Tod aufgrund von Folter und Misshandlungen oder durch Exekution ist jedoch auch nicht auszuschließen. Die Situation der Familie mit diese Ungewissheit umzugehen ist für die Angehörigen noch schwieriger, als sich mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinander setzen zu müssen. Der argentinische Friedens-Nobelpreisträger Adolfo Perez Esquivel hat diese Situation in einer Rede wie folgt beschrieben: "Solange die Person nicht wieder auftaucht, ist es ein weiter bestehender Schmerz, ein weiter bestehendes Leiden, weil man nicht weiß, was tatsächlich passierte. Das ist wie eine Familie, die jeden Tag hofft, dass die Tür aufgeht und ihr Liebster zurückkommt und den Platz einnimmt, den er immer eingenommen hat." Abgesehen von der psychischen Belastung auf Grund der Ungewissheit über das Schicksal des Ehemanns und Vaters leidet die Familie unter ihrer deprimierenden wirtschaftlichen Lage und der allgegenwärtigen Gewalt und Unsicherheit. Dazu schreibt Zohra: "Die Algerier glauben nicht mehr an die Zukunft ihres Landes. Arbeitslosigkeit, Überfälle, Terrorismus, Abrechnungen unter Klans, Erpressungen - das ist es, was wir täglich erleben. Wir haben die Angst im Leib, wenn wir aus dem Haus gehen, mit dem Bus oder einem anderen Verkehrsmittel fahren. Es ist nichts mehr, wie es sein sollte." Was wir tun können Die Friedrichsdorfer Gruppe versucht, durch Petitionen, Briefaktionen, Presseartikel und Information im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen auf den Fall des verschwundenen Abdelkader Nekrouf sowohl in Algerien als auch in Deutschland aufmerksam zu machen. Sie hat auch führende Politiker und einen der Bundestagsabgeordneten des Hochtaunuskreises über den Fall informiert. Dieser hat daraufhin das Auswärtige Amt eingeschaltet und uns die Antwort von Staatsministerin Kerstin Müller zugeleitet, derzufolge die deutsche Botschaft in Algier die Angelegenheit weiter verfolgt, aber derzeit über keine aktuelleren Informationen verfügt. Im Frühjahr 2004 gab es, initiiert von der ai-Gruppe Friedrichsdorf, eine Aktion mit "Vermissten-Anzeigen" in großen regionalen Zeitungen, an der sich in der gesamten Bundesrepublik mehr als 15 weitere amnesty-Gruppen mit Anzeigen zu ihrem jeweiligen Algerien-Verschwundenenfall beteiligten. Eine Zusammenstellung dieser Anzeigen wurde der algerischen Botschaft in Bonn zugeleitet. Gelegentlich hat ai-Friedrichsdorf der Familie auch schon eine kleine finanzielle Unterstützung zukommen lassen können dank großzügiger Spenden von Freunden und Förderern, u.a. auch durch den Erlös eines Benefiz-Karaoke-Konzerts ("Karaoke for life"), das im März 2004 von Friedrichsdorfer Jugendlichen im Jugendhaus Köppern initiiert und organisiert wurde. Medizinische Hilfe für Amine Nekrouf Seit Beginn ihrer Arbeit am Fall des Anwalts Nekrouf ist die Gruppe Friedrichsdorf außerdem zusammen mit der Basler ai-Gruppe bemüht, medizinische Hilfe für den Sohn Amine Nekrouf möglich zu machen. 1994, im Alter von knapp 20 Jahren, wurde dieser durch eine Kugel, die wahrscheinlich seinem Vater galt, schwer verletzt und ist seitdem querschnittsgelähmt. Aufgrund mangelhafter medizinischer Versorgung litt Amine unter gravierenden Nierenproblemen und an tiefen Liegegeschwüren. Im Frühjahr dieses Jahres konnte dem jungen Mann durch eine gemeinsame finanzielle Anstrengung der Gruppen Friedrichsdorf und Basel eine Nierenoperation bezahlt werden. Die Vorbereitungen für die - zunächst chirurgische - Behandlung der Geschwüre sind z.Zt. im Gang. Wünschenswert wäre es, wenn Amine einen gebrauchten Rollstuhl mit Spezialkissen erhalten könnte. Für die Finanzierung dieser Hilfsmittel sind die amnesty-Gruppen auf Spenden angewiesen. Sigrid Ulmschneider, ai-Friedrichsdorf Frühere Briefe: Brief von Zohra Nekrouf vom 18.6.2003 (in deutscher Übersetzung) Brief seiner Frau vom 02.03.2002 Brief seiner Frau vom 16.10.2002
Brief an das Justizministerium I |